Marie Gouze stammt aus Montauban in Südfrankreich. Ihre Mutter, Anne-Olympe Gouze, war Putzwarentrödlerin und verheiratet mit dem Metzger Pierre Gouze, der aber wahrscheinlich nicht Maries Vater war. Ihr Vater, der Adlige Jean-Jacques Lefranc de Pompignan, erkannte seine Tochter nie an.
Mit sechzehn Jahren heiratete Marie Gouze den Geschäftsmann Aubry und bekam kurz darauf ihren Sohn Pierre. Ob sie schnell Witwe wurde oder vielmehr vor ihrem Mann floh, ist umstritten. Marie verließ jedenfalls noch bevor sie 21 Jahre alt war Südfrankreich und ging nach Paris. Ihr wohlhabenden Geliebter, der ihren Lebensunterhalt bestritt, begleitete sie.
Bald wurde sie als Autorin von Essays, Manifesten und sozialkritischen Theaterstücken bekannt. Da sie selbst über keine oder kaum Schulbildung verfügte und zudem nicht Französisch, sondern Okzitanisch ihre Muttersprache war, musste sie ihre Texte verbessern oder diktieren lassen. Ihr erstes Werk war ein autobiographischer Roman, in dem sie die Verbindung zu ihrem leiblichen Vater herstellte, der ein angesehener Literat war.
Sie schrieb mehrere Stücke, darunter 1774 das Drama L'Esclavage des Nègres, (die Versklavung der Neger), in dem sie sich gegen die Sklaverei wandte. Weil sie eine Frau war und wegen der Brisanz des Stückes fand sie keinen Verleger, und das Stück wurde erst 1789, im Jahr der französischen Revolution, uraufgeführt.
1788, ein Jahr vor dem Ausbruch der Revolution, war der drohende Staatsbankrott das wichtigste Gesprächsthema unter den Intellektuellen in Paris. Olympe verfasste eine ihrer ersten patriotischen Schriften, in der sie forderte, dass alle Stände eine Steuer zahlen sollten, um den Bankrott abzuwenden. Den König nahm sie davon aus; so revolutionäre Gedanken waren noch undenkbar.
Während der Revolution wurde Olympe de Gouges eine leidenschaftliche Verfechterin der Menschenrechte. Doch bald musste sie herbe Enttäuschungen erfahren. Die Revolutionäre schwelgten in ihrer "Brüderlichkeit", ohne auch nur eine Minute lang an die Rechte ihrer "Schwestern" zu denken, die bei der Revolution ebenfalls ihr Leben gelassen hatten.
1791 gründete sie den Cercle Social - einen Verein mit dem Ziel, die politische und rechtliche Gleichberechtigung der Frauen anzustreben. Der Cercle Social traf sich bei Sophie de Condorcet, einer weiteren bekannten Frauenrechtlerin jener Zeit. In diesem Kreis äußerte sie auch erstmals ihren berühmten Satz: „Die Frau hat das Recht, das Schafott zu besteigen. Sie muss gleichermaßen das Recht besitzen, die Rednertribüne zu besteigen“.
Im selben Jahr verfasste sie die Déclaration des droits de la Femme et de la Citoyenne (Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin). Dieses Werk war beinahe völlig parallel zur "Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte" vom 26. August 1789 verfasst und bezog sich auf die Frau und Bürgerin. Gleich anschließend folgte ihr Entwurf eines Gesellschaftsvertrags für Ehepartner (Contract Social). Ihre Erklärung der Frauenrechte löste jedoch kein Echo aus - stattdessen wurde sie hauptsächlich.
Olympe de Gouges mischte sich überall ein, wo ihr Ungerechtigkeiten auffielen. So setzte sie sich zum Beispiel auch für die Verteidigung von Ludwig XVI. ein, als dieser ohne Gerichtsverfahren geköpft werden sollte. Der zeitgenössische Historiker Michelet kommentierte sie wie folgt: Man ließ sie in mehr als einer Angelegenheit, die ihr schwacher Kopf nicht verstand, handeln und schreiben. (Zitiert aus: Luise F. Pusch: 300 Porträts berühmter Frauen. Insel Verlag, 1999, S. 111)
Ob ihrer enttäuschten Hoffnungen wurden ihre Schriften immer vehementer und direkter. Schließlich führte ihr Stück Drei Urnen oder das Wohl des Vaterlandes 1793 zu ihrer Verhaftung und anschließenden Hinrichtung. So musste die Kämpferin für die Menschenrechte aufs Schafott, ohne selbst jemals das Recht gehabt zu haben, die Rednertribüne zu betreten (was sie aber trotzdem tat).